25 Jahre Ripse
Am 18. und 19. August fand es nach mehrjähriger Pause endlich wieder umsonst und draussen der Emschertanz statt. Grund genug gabt's: vor 25 Jahren wurden die ersten Häuser besetzt. Dass dieses in einer Wohnungsgenossenschaft endet, hätten die damaligen Aktivisten sicher als Blasphemie aufgefasst ;-)
Die offizielle Feierstunde fand im fertiggestellten Gemeinschaftshaus statt. Neben den Gruß- und Dankesworten der Oberbürgermeisterin Frau Elia Albrecht-Mainz
stießen unter anderem die Schilderungen des sozialdemokratischen Urgesteins Hugo Baums auf besonderes Interesse. Als damaliger Dezernent für Jugend und Soziales hatte er hautnah mit der Wohnungspolitik der 80er Jahre zu tun. Die Details werfen ein zwielichtiges Bild auf die ehemaligen Besitzer der Siedlung. Doch dieses ist zum Glück Vergangenheit. Die Bewohner-Genossenschaft befindet sich auf der Zielgeraden, wie Wolfgang Kiehle vom Wohnbund konstatierte. Aufsichtsrat Erçan Telli, selbst Bewohner der Siedlung, machte deutlich, dass sich ein Engagement in der Sache lohne. "Wer dem Anderen vorurteilslos begegnet, hat auch die Chance vom Anderen etwas für sich zu gewinnen."
Am Freitagabend lief dann der Emschertanz Teil 1. Den Opener lieferte Downride aus Dortmund (siehe Bild). Absoluter Knaller war die Band La Papa Verde, die mit latin- und südamerikanischen Rhythmen die zwischenzeitlichen Regenschauer vergessen machte. Zum Glück war der ganze Platz mit Planen vor einer direkten Dusche abgesichert.
Mit Sonnenschein ging es dann am Samstag mit dem Kinderfest weiter. Trotz starker Konkurrenz (u.a. die KiKa-Veranstaltung am Oberhausener Bahnhof) war der Kinderfestplatz gut gefüllt. Mit der Raupe Nimmersatt, GAUKLiX als Goethes Zauberlehrling, Riesenhüpfburg und zahlreichen Mitmachaktionen kam eine Superstimmung auf. Die Südterasse des neuen Gemeinschaftshauses ist mit der vorgelagerten Grünfläche sicher eine der schönsten Lokalitäten für Kinderfeste im Ruhrgebiet.
Auf der Naturbühne startete am frühen Abend der Emschertanz Teil 2 mit Rock aus der Gegend. Confusion Sucks aus Duisburg bot frische Sounds zwischen Rock, Pop und Avantgarde. Einige Ohrwürmer hätten einen Platz in den Charts verdient.
Die Seething Floors lieferten lupenreinen Hard-Rock. Nur knapp überlebte die Gitarre von Leadgitarrist Andre, der sich anschickte, in Townsend-Manier die Becken von Schlagzeuger Moses zu malträtieren. Zum Glück wollte Andre beim nächsten Stück doch wieder mitspielen.
Anschliessend liess Canu die Trommeln los, die Tanzparty war endgültig eröffnet. Den Schlusspunkt setzte dann Percussion Time mit esoterischen Urklängen, Riesentrommeln und einer ganze Galerie von Gongs. Da die angekündigte DJ-Formation aus gesundheitlichen Gründen nicht dazustossen konnte, lief es mal wieder auf eine Session hinaus, sodass alle in der Siedlung wohnenden Musiker gemeinsam auf der Bühne standen.
Ingesamt war die Party ein voller Erfolg und für die Siedlungsbewohner eine wohlverdiente Ablenkung von der laufenden Sanierung, die den Beteiligten oft das letzte Haar raubt. Wie es aussieht, wird es bis zum nächsten Emschertanz nicht wieder neun Jahre dauern ...
Hennes Baldrian und seine Stiefkinder
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